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Abendrot und Zero Order Glow

Roter Himmel im Kreis Böblingen: Der Wetterdienst erklärt das Phänomen

Farbspektakel über dem Kreis Böblingen
Von Jürgen Wegner

Kreis Böblingen. „Liebes SZ/BZ-Team, könnt ihr morgen bitte einmal aufklären, wie dies zustande kommt. Ich glaube, dass es sehr viele interessieren würde?“, schrieb uns auf Facebook eine Leserin mit dem Pseudonym „Da Ma“. „Wie kommt so etwas zustande?“, fragte Zengin Yasar. Und Thilo Ebert meinte: „Da können diese albernen Nordlichter einpacken.“ Der knallrote Himmel über dem Kreis Böblingen hat die Menschen am späten Donnerstagabend in den Bann gezogen.

Nachdem die Redaktion ein Foto auf Facebook veröffentlichte, stellte die Community bis Freitagmittag 290 Fotos unter den Beitrag. Weitere Bilder gingen per Mail oder Whatsapp ein. Die Frage blieb: Was war da eigentlich los? Der Magstatter Wetterexperte Michael Schatt liefert eine ziemlich simple Erklärung: Sonne im richtigen Winkel und eine ordentliche Zelle führen zu diesem Farbenspiel.

Abendrot und Regenbogen

 Auf Nachfrage der SZ/BZ erklärt Rüdiger Manig vom Deutschen Wetterdienst das Spektakel noch genauer: „Im Großen und Ganzen handelt es sich hier um ein sehr intensives Abendrot, auf einigen Bildern war noch ein roter Regenbogen zu sehen, auf anderen ein ‚Zero Order Glow‘, welches man ebenfalls zu den Regenbögen zählt.“ Wenn die Sonne tief über dem Horizont steht, können Regenbögen teilweise oder komplett rot erscheinen. Hierbei tritt genau der gleiche Effekt auf wie beim Abend- beziehungsweise Morgenrot. Bei einem niedrigen Sonnenstand muss das Licht einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen. Das kurzwellige blaue Licht wird dabei stärker gestreut als das rote Licht. Der Regenbogen erscheint rot. Rüdiger Manig weiter:

„Als ‚Zero Order Glow‘ wird dieses rot-orange Glühen bezeichnet. Das Licht durchdringt die Regentropfen und wird abgelenkt, jedoch nicht gespiegelt: also nullmal gespiegelt, daher auch ‚Zero Order‘.“ Am Donnerstagabend wurden die Wolken durch das Abendrot beziehungsweise das „Zero Order Glow“ intensiv angeleuchtet „und dieses tolle Himmelsschauspiel war zu sehen“, so Rüdiger Manig. Es habe hier eben alles gepasst – der vorhandene Niederschlag, der tiefe Stand der Sonne, die entsprechenden Wolkenlücken und so weiter, und diese Konstellation finde man nicht alle Tage. „Allerdings kann man eine Häufung durch klimatische Veränderungen völlig ausschließen, da gibt es keinerlei Zusammenhang“, sagt Rüdiger Manig.