

Böblingen. Ein neues Jahr steht an, der Blick geht in die Zukunft. Doch was tun mit den alten Dias vergangener Jahrzehnte, die geliebt und dennoch nicht mehr genutzt, noch daheim rumliegen? Das Stadtarchiv bietet eine Lösung, die gleich mehrfach Nutzen bringt: Die Dias können dem Stadtarchiv übergeben werden. Auf diese Weise wird die Überlieferung der Stadtgeschichte gestaltet und gleichzeitig Abfall vermieden.
Das Stadtarchiv Böblingen bewahrt eine umfangreiche Dia-Sammlung, die das Leben in der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert, der Blütezeit der Dia-Fotografie. Alle Interessierten an der Stadtgeschichte können das Bildmaterial nutzen (Kontakt: stadtarchiv@boeblingen.de).
Unter einem Dia versteht man heute meist ein vorführfertig gerahmtes Durchlichtbild (in Abgrenzung zum Diafilm) aus einem kontrastreichen Umkehrfilm, das meist als Diapositiv, seltener auch als Dianegativ vorliegt. Die meisten von ihnen sind sogenannte Kleinbild-Dias mit einem Bildformat von 24 mm x 36 mm, die in einem festen Rahmen aus Plastik, seltener auch aus Pappkarton, von 5 x 5 cm Größe stecken.
Aufbewahrt werden sie daheim oftmals in kleinen Schubern aus Plastik oder Holz, um den brummenden Projektor bei einer Diashow mittels einer Trägerkassette mit fortlaufendem Bildmaterial und seinem markanten Klicken beim Bildwechsel zu versorgen. Eine fragile Ordnung, die nur allzu leicht durcheinandergerät.
Das sogenannte Ektachrome-Verfahren wurde seit den 1940er-Jahren zum Standard, um die negativ aufgenommenen Umkehrfilme zu positiven Aufnahmen in natürlichen Farben zu verwandeln. Die Hochphase der Dias begann, zigtausende Urlaubsaufnahmen bannten auch die Böblinger auf Dia und schwelgten in den auf die Leinwand projizierten Urlaubserinnerungen. Doch nach einem halben Jahrhundert kam der große Zusammenbruch. Mit dem Millennium löste die seit den 90ern aufkommende Digitalfotografie die analoge Fotografie als Massenmedium ab.
Im Stadtarchiv Böblingen sind aktuell über 10.000 Dias aufbewahrt. Diese werden dort Stück für Stück in der archivischen Datenbank erfasst: Sie bekommen eine Signatur und eine Bildbeschreibung, denn nur dann können sie auch wieder aufgefunden – und damit auch genutzt werden. Zur Nutzung gehört auch die fachgerechte Verpackung. Dias sind kleine Diven, die schnell beleidigt ihre fragile Schönheit zerstören, wenn sie nicht hervorragend behandelt werden: Ihre beschichtete Oberfläche ist empfindlich für Kratzer, Fingerabdrücke, Licht und Feuchtigkeit. Sie brauchen eine stetige Pflege und wohlbedachte Aufbewahrung.
Die Uhr tickt: Nicht nur Fotos, auch Dias verblassen, Farbstiche treten auf. Damit die Böblinger die Dias in ihrem Stadtarchiv auch in der Zukunft bei gewahrter Qualität nutzen können, digitalisiert das Team im Stadtarchiv seit letztem Jahr umfangreich die Diasammlung. Die Originale bleiben geschützt – die Digitalisate sind flexibel für alle Interessierten an der Stadtgeschichte am heimischen digitalen Endgerät zu nutzen. Ein zeitgemäßer Service für sie.
10.000 Dias im Stadtarchiv klingt viel, ist aber mit Blick auf die gut 50 Jahre Diafotografie für eine Große Kreisstadt sehr wenig. Daher bittet das Stadtarchiv um Unterstützung: Gesucht werden Dia-Sammlungen, die das Leben in Böblingen dokumentieren – vom Stadtteilfest über den Weihnachtsmarkt, Sportveranstaltungen, Schulbazare, Kirchenkaffees bis hin zu Stadtbummel-Aufnahmen. Archivierte Dias werden digitalisiert und bleiben so für die Zukunft erhalten – selbstverständlich auch für die Einreicher.
Im Stadtarchiv werden selbstverständlich die Bildrechte geachtet. Die Bildrechtsfrage steht einer Abgabe ans Archiv nicht entgegen. Grundlage hierfür ist nicht nur die omnipräsente DSGVO, sondern auch das Archivrecht. Ein Beispiel soll es verdeutlichen. Aktuell werden im Stadtarchiv Dias der Stadtfeste aus den 1980er-Jahren erfasst – und dabei natürlich das geltende Recht umgesetzt. Machen wir heute ein Bild, sind zwei Rechtsbereiche zu klären: Sowohl die der Fotograf hat das Urheberrecht als auch die abgebildeten Personen haben ihr Recht am eigenen Bild. Wenn beide einverstanden sind, kann das Bild genutzt werden.
Die Herausforderung mit Bildern von damals: Unser Bewusstsein für das Recht am eigenen Bild und der Urheberschaft entwickelt sich stetig weiter. Früher hatten diese Rechte einen geringeren Stellenwert als heute. Es wurde seit den ersten Diaglasplattenaufnahmen um die Jahrhundertwende bis zur aufkommenden digitalen Fotografie immer umfangreicher geknipst. Vom Stadtfest 1984 liegen im Stadtarchiv sowohl Schnappschüsse der Jugendlichen auf den Mauern am Marktplatz vor als auch gezielte Aufnahmen der Stadtkapelle auf der Bühne.
Herausgekommen sind unterschiedlichste Dias, die die Besucher des Böblinger Altstadtfests mal im Tumult der Masse bei der Hocketse auf Bierbänken fassen, mal als Nahaufnahme beim Stöbern beim Straßenflohmarkt in der Pfarrgasse. Waren die Menschen einverstanden damit, bei ihren Folkloretanz-Darbietungen, bei der Breakdance-Show oder mittelalterlich kostümiert fotografiert zu werden? Das darf nicht per se angenommen werden. Daher können im Stadtarchiv zum Beispiel jene Aufnahmen mit sogenannten Schutzfristen belegt werden, wo ansonsten ein Persönlichkeitsrecht verletzt würde.
Kontakt zum Stadtarchiv per Telefon 07031 / 669-1988 oder per E-Mail an stadtarchiv@boeblingen.de.



