

Kreis Böblingen. Der Betrieb der Schönbuchbahn hat sich aktuell im Halbstundentakt stabilisiert, meldet das Landratsamt Böblingen in einer Pressemitteilung. Der spanische Hersteller CAF hat sein Team vor Ort in Böblingen personell verstärkt. Aktuell stehen acht Fahrzeuge des Typs Nexio zur Verfügung, von denen sechs im Einsatz sind. Die beiden anderen Züge dienen als Reserve bei Instandhaltungen. „Wir freuen uns darüber, sehen aber dem Zeitpunkt entgegen, an dem wir den anvisierten Viertelstundentakt mit der Bahn fahren können“, äußerte sich Landrat Roland Bernhard im Rahmen eines weiteren Treffens mit dem CAF-Geschäftsführer.
Anfang Februar hatte es ein Krisengespräch zwischen Landrat Roland Bernhard, Vertretern des Zweckverband Schönbuchbahn (ZVS) und dem Geschäftsführer des Herstellers CAF Deutschland gegeben. Zuvor war der Bahnbetrieb wegen der für die Fahrgäste unzumutbaren Zustände zwischenzeitlich komplett eingestellt worden (die SZ/BZ hat berichtet). Immer wieder hatte es kurzfristig Ausfälle bei den neuen Elektrotriebwagen gegeben. Insofern sei er dankbar, so der Landrat, dass die Bahn jetzt stabil alle halbe Stunde fährt. Und mit einem zusätzlichen Busverkehr wird in den Schulzeiten der 15-Minuten-Takt ebenfalls angeboten.
Für den 15-Minuten-Takt auf der Schiene braucht es alle zwölf bestellten Fahrzeuge. Dass diese derzeit noch nicht alle einsatzbereit sind, liegt an einer aktuell noch bestehenden Auflage seitens des Eisenbahnaufsicht. Sie hat zum Inhalt, dass die Raddurchmesser, die neu bei 640 Millimeter liegen, nicht unter 633 Millimeter fallen dürfen – also eine äußerst geringe „Verschleißtoleranz“ von nur 7 Millimeter. Alle 14 Tage muss gemessen werden.
„Die Auflage ist ein normaler Vorgang im Rahmen des Genehmigungsprozesses, die so lange aufrechterhalten wird, bis der noch fehlende Nachweis erbracht wurde. Diese bisher ausstehenden Formalitäten wurden Ende März nun an die Landeseisenbahnaufsicht übergeben“, erklärt Marcus Brüning, der Geschäftsführer von CAF Deutschland. Grundsätzlich habe man die Hausaufgaben erledigt, so Brüning weiter. „Wir tun alles, um den Prozess zu beschleunigen, und schnellstmöglich alle Fahrzeuge einsatzbereit zu haben.“
Die Behörde hat nun vier Monate Zeit, die Unterlagen zu prüfen und die Auflage dann aufzuheben. Damit käme die grundsätzlich bestehende Vorgabe zum Einsatz, die eine Verschleißtoleranz von 60 Millimetern beinhaltet – das heißt, von 640 Millimeter Raddurchmesser darf dieser bis auf 580 Millimeter fallen, bevor die Räder getauscht werden müssen. Solch ein Austausch kostet viel Zeit. Hat man aber statt 7 Millimeter Toleranz dann 60 Millimeter, verlängern sich logischerweise die zeitlichen Intervalle hierfür erheblich. „Im Normalbetrieb und mit der normalen Vorgabe gehen wir davon aus, dass die Fahrzeuge bis zu rund 750.000 Kilometer und damit rund zehn Jahre fahren können, bis sie getauscht werden müssen“, erklärt Brüning.
Landrat Bernhard zeigt sich verhalten optimistisch: „Wir hoffen, dass das Eisenbahnbundesamt nicht die ihm zur Prüfung zustehenden vier Monate benötigt und die Auflage bis Mitte des Jahres aufgehoben werden kann.“ Andere derzeit noch laufende Reparaturen sollen bis dahin ebenfalls behoben sein. „Es bleibt zu wünschen, dass wir noch im Sommer auf den Viertelstunden-takt wechseln können.“
Der Blick auf die Raddurchmesser betrifft nicht nur die Fahrzeuge für die Schönbuchbahn, erklärt Projektleiter Gerhard Ferstl. Jedes Rad hat im Betrieb einen Verschleiß. Die aktuell noch geltende Auflage, dass man nur 7 Millimeter Toleranz hat, bis man die Räder wieder wechseln muss, bringt rein rechnerisch mit sich, dass 9 Mal häufiger gewechselt werden muss als bei einer Toleranz von 60 Millimetern. Entsprechend fallen aufgrund dieser präventiven Instandhaltungsmaßnahme die Fahrzeuge häufiger aus.




