

Sindelfingen. Als 2019 der Fisch geputzt war, ahnte keiner, dass es drei Jahre dauert, bis das internationale Straßenfest seinen typischen Geruch durch die Altstadtgassen wehen lässt. Am 17. Juni ist die Zwangspause für Sindelfingens liebstes Festkind vorbei. Im kostenlosen SZ/BZ-Podcast unterhalten sich „Willi und Dödel“ ausführlich mit der Vorsitzenden des Straßenfest-Vereins, Andrea Santana. Hier ein Auszug.
Nicht mehr zwei Wochen, dann ist die dreijährige Straßenfest-Pause seit 2019 vorbei. Freuen Sie sich schon?
Andrea Santana: „Wir haben uns richtig ins Zeug gelegt und freuen uns sehr auf das, was kommt. Die Pause hat uns alle vielleicht ein bisschen rostig werden lassen. Aber wir haben alte Zöpfe abgeschnitten und neue geflochten.“
Was ist anders als bisher?
Andrea Santana: „Wir hatten unseren Mitgliedern schon 2019 das neue Abfallkonzept vorgestellt und wollten es 2020 umsetzen. Dazu gehört ein Mehrweg-Gebot auf Getränke und der sukzessive Umstieg auf Mehrweg bei Speisen. Kein Plastik, keine Müllberge, die Überhand genommen haben, keine Kokosnüsse, über die man stolpert.
Was gibt es noch nicht mehr?
Andrea Santana: „Zum einen gibt es dieses Jahr zwei Bühnen nicht mehr. Wir hatten 2018 und 2019 versucht, die Domo-Bühne wieder aufleben zu lassen – nicht mit dem gewünschten Erfolg. Auch die Grabenstraßen-Bühne fehlt, die vor allem der kroatische Verein Matija Gubec bespielte. Dieser Verein macht in diesem Jahr nicht mit. Dafür haben wir jetzt am Wettbachplatz den Brunnen fest etabliert. Und statt der Mercedessstraße sind wir auf dem Grünen Platz. Unser Wunsch wäre es, mit dem Beginn des Marktplatz-Umbaus diesen als Hauptbühnen-Platz zu nutzen. Mal schauen, wie die Leute ihn annehmen.“
Ohne Kroaten auch kein Spanferkel. Kommt das irgendwann wieder?
Andrea Santana: „Ich vermute mal, dass es irgendwann wiederkommen wird. Tatsächlich machen zwei weitere kroatische Vereine nicht mehr mit. Da hängt es wohl an den Mitgliederzahlen.
Haben es die Coronajahre den Vereinen noch schwieriger gemacht?
Andrea Santana: „Ich denke schon. Für einen Verein, der sowieso um seine Mitgliederzahlen gekämpft hat und das Engagement permanent einfordern musste, ist es generell schwierig, wenn man sich zwei Jahre lang nicht trifft. Das haben wir ja auch selbst gemerkt. Ein Zoom-Meeting ist halt etwas anderes, als wenn man sich sieht und an einem Tisch sitzt.“
Trotzdem sind noch eine ganze Menge Vereine dabei. Wie viele sind es?
Andrea Santana: „27, darunter sind auch ein paar neue Abteilungen. Zum Beispiel eine Kampfsportabteilung des VfL Sindelfingen, die japanisches Essen bringt. Das hatten wir noch nie.“
Gibt es einen Moment, der für Sie ganz besonders sein wird?
Andrea Santana: „2019 habe ich mein erstes Fest als Veranstaltungsleiterin gemacht, davor war ich Schriftführerin im Verein. Ich kann mich erinnern, wie ich vor drei Jahre bei der Eröffnung auf der Bühne stand, runter schaute und dieses Ergebnis sah. Da steht plötzlich das vor einem, worauf man monatelang hingearbeitet hat. Ich freue mich wirklich darauf, auf der Bühne zu stehen und zu erleben, was wir geschafft haben.“
Und das nicht als professionelle Veranstaltungsgesellschaft, sondern als Verein mit ganz normalen Mitgliedern und der Hoffnung, dass alle bei der Stange bleiben.
Andrea Santana: „Richtig. Wir haben fünf Vorstandsmitglieder, die aktiv mitarbeiten und dieses Jahr leider nur noch eine Hand voll Mitglieder im Organisations-Komittee. Das heißt, momentan wird das komplette Fest von zehn Leuten gestemmt. Ehrenamtlich, in der Freizeit, am Wochenende, in den Ferien, im Urlaub.“
Die Musik auf den Bühnen gibt Orientierung. In welche Richtung geht es?
Andrea Santana: „Es gibt zum Beispiel Rockmusik auf dem Rathausvorplatz, lateinamerikanische Klänge an der Martinskirche, auf dem Schaffhauser Platz ist Samstag und Sonntag Countrymusik, auf dem Marktplatz Cover-Rockpop, auf dem Grünen Platz geht es tendenziell eher in die rockige Richtung
Wird es an den Ständen wieder wie vor Corona?
Andrea Santana: „Wahrscheinlich eher noch enger. Wir haben insgesamt etwa 30 Stände weniger. Manche gibt es nach Corona nicht mehr, andere bekommen das Personal nicht zusammen, weil wir in die Ferien fallen. Das gilt auch für die gewerblichen Stände. Manche Gewerblichen hatten früher zwei oder drei Stände über das Fest verteilt. Jetzt gibt es nur noch einen Stand pro Teilnehmer. Als wir in die Planung gingen, wussten wir nicht, wie es mit Corona weitergeht. Wir haben schon im Januar mit angezogener Handbremse geplant. Damals sagte wir, dass wir sowieso mehr Platz zwischen den Ständen haben müssen, falls es noch Auflagen gibt. So kommen wir jetzt auf 103 Stände.“
Kommen alle Partnerstädte alle in die Ziegelstraße?
Andrea Santana: „Es sind alle da. Und es gibt zwei Sonderstände. Einer ist betrieben von Ukrainerinnen im Rahmen der Flüchtlingshilfe, da gibt es ukrainische Spezialitäten. Außerdem hat 'Helfen statt Hamstern' einen Infostand.“
Haben Sie eigentlich auch einen Plan, was Sie auf dem Fest erleben wollen, oder sind Sie im Organisatorentunnel?
Andrea Santana: „Eigentlich habe ich drei Tage lang nur den Organisatorentunnel. Privat war ich seit zehn Jahren nicht mehr auf dem Fest. Aber ich liebe, was ich tue. Ich mag es, zu sehen, wie diese Dinge zusammenkommen und ich mag dieses Lächeln in den Gesichtern.“
Podcast: Hier geht es zur aktuellen Podcast-Folge mit Andrea Santana: https://willi-und-doedel.podcastbb.de/145-strassenfest




