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Klassik

Waldenbuch: Lieder von Liebe und Leid aus dem hohen Norden

Konzert in der Waldenbucher Stadtkirche St. Veit mit Siri Karoline Thornhill, Sopran und Götz Payer, Klavier.
Von Gunter Teuffel
Pianist Götz Payer und Sopranistin Siri Karoline Thornhill.

Pianist Götz Payer und Sopranistin Siri Karoline Thornhill.

Bild: Thomas Ceska

Waldenbuch. Schon zweimal hat Siri Karoline Thornhill in Waldenbuch herausragende Liederabende gegeben, letztes Mal mit Robert Schumanns bekanntem Zyklus „Frauenliebe und Leben“. Nun hatte die international gefragte Opern-, Oratorien- und Liedsängerin ein ganz besonderes Programm mit Liedern von Edvard Grieg (1843–1907) und der bei uns zu Unrecht komplett unbekannten Grieg-Zeitgenossin Agathe Backer-Grøndahl (1847–1907) im Gepäck. Begleitet wurde sie von Götz Payer, seit 2022 Professor für Lied an der HMDK Stuttgart, Begleiter von zahlreichen namhaften SängerInnen und international gefragter Dozent von Lied-Meisterkursen.

Ihr Programm „Nordlicht“ spannte einen weiten poetischen Bogen zwischen Natur, Kindheit, Liebe und innerer Verwandlung. Drei Werkgruppen eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf das menschliche Erleben - von der kindlichen Wahrnehmung bis zur gereiften Liebeserfahrung.

Prolog und Einstimmung

Gleichsam als Prolog und Einstimmung in die musikalische Welt des Nordens, erklang eine Hirtenweise von Grieg, wobei Siri Karoline Thornhill unsichtbar von der Orgelempore sang und mit ihrer voluminösen Stimme sofort das Publikum verzauberte, von Götz Payer einfühlsam begleitet. Während sie danach herabschritt, führte Götz Payer das Publikum in das Programm ein.

Die erste Programmhälfte war ausschließlich dem einzigen Liedzyklus „Haugtussa“ op. 67 von Edvard Grieg gewidmet. „Das Kind vom Berge“, wie der deutsche Titel lautet, ist die Vertonung von Texten von Arne Garborg, der in acht Gedichten, ähnlich einer Ballade, eine leider tragisch endende Liebesgeschichte geschrieben hat.

Übersetzungen im Textheft

Duch das Textheft mit den Übersetzungen der orwegischen Liedtexte konnte das Publikum nicht nur der Musik von Grieg lauschen, sondern auch den Inhalt verstehen. Das Publikum war entrückt in eine ganz andere Welt, mit Bildern der nordischen Natur und ergriffen vom Schicksal des Hirtenmädchens.

Nach der Pause dann Lieder der norwegischen Pianistin und Komponistin Agathe Backer-Grøndahl, die einst Griegs berühmtes Klavierkonzert uraufgeführt und ähnlich wie Clara Schumann eine Doppelbegabung als Konzertpianistin und Komponistin hatte.

Wie Edvard Grieg hatte sie in Deutschland studiert und die erste Liedgruppe mit drei Liedern aus „Sommer op. 50“ waren auf Deutsch, die zweite Liedgruppe mit 8 Liedern „Barnets Vårdag op. 42“ (Kinderalltag) dann wieder auf Norwegisch. Es ist Siri Thornhill zu verdanken, dass diese zu Unrecht vergessene Komponistin wiederentdeckt wurde.

Poetisch und farbig

Sie sang die poetischen und farbigen Lieder so plastisch und ansprechend zusammen mit ihrem Klavierpartner, dass das Publikum Zwischenapplaus spendete. Darunter waren Lieder wie die tropfend komponierten „Tautropfen“, das traumschöne „Am Abend“ oder das wundervolle „Wiegenlied“.

Die abschließende Gruppe „Sechs Lieder op. 48“ von Edvard Grieg gehört heute zum Standardrepertoire. Die Texte der Liebeslieder sind von verschiedenen Dichtern: Heinrich Heine, Emanuel von Geibel, Johann Ludwig Uhland, Walther von der Vogelweide, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Martin von Bodenstedt. Grieg, der sehr gut Deutsch sprach, hat dabei so vertont, dass die Texte genauso gut auf Deutsch wie auf Norwegisch gesungen werden können.

Siri Thornhill und Götz Payer bedankten sich nach diesem Liederabend beim applaudierenden Publikum mit einer Zugabe, dem „Liebeslied“ von Edvard Grieg.