

Sindelfingen. Die Stadtwerke haben im Geschäftsjahr 2024 ihre Ziele übertroffen und ein Plus von rund 6,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Die positiven Zahlen hat Geschäftsführer Dr. Karl Peter Hoffmann im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Sindelfinger Gemeinderats vorgestellt. Den Vortrag leitete er jedoch auch mit kritischen Tönen ein: „Die Umsätze haben abgenommen, weil die Energiepreise im Vergleich zum Krisenjahr 2023 massiv in den Keller gegangen sind. Das Ergebnis ist außerordentlich gut, wird auf Dauer aber nicht so bleiben. Die steigende Zinslast macht sich bemerkbar.“ Ein Beispiel: „Erste günstige Kredite laufen aus – aus 0,8 Prozent werden über 3 Prozent.“ Im Jahr 2024 wurden Investitionen im Gesamtwert von rund 26,5 Millionen Euro getätigt.
Der Überschuss soll jetzt hälftig an die Gesellschafter ausgezahlt werden. Angesichts der aktuellen Haushaltslage und der für kommenden Dienstag zu erwartenden Haushaltssperre stellte Richard Pitterle von der Gruppe Vielfalt Sindelfingen/Linke plus den Antrag, 80 Prozent an die Gesellschafter auszuschütten: „Beim Konsolidierungsprozess haben wir uns darauf geeinigt, auch die städtischen Töchter mit einzubeziehen. Das Geld benötigen wir, damit wir in anderen Bereichen nicht streichen müssen.“
Das Gremium folgte diesem Vorschlag nicht. Denn auf der anderen Seite fließt das Geld auch in die Investitionen der Stadtwerke. In einer Pressemitteilung schreiben diese: „Seit der Gründung der Stadtwerke Sindelfingen GmbH arbeiten wir kontinuierlich an dem Ziel, eine zukunftsfähige Energieversorgung zu verwirklichen. Als Ergebnis konnten wir in der Vergangenheit bereits zahlreiche Projekte realisieren, die dazu beitragen, die CO-Emissionen zu reduzieren. Im Jahr 2024 konnten wir eine CO₂-Einsparung von etwa 49.000 Tonnen verzeichnen. Unser Einsatz für die Umwelt bleibt weiterhin ein zentrales Anliegen und Ansporn für zukünftige Projekte.“Für die kommenden Jahre sei davon auszugehen, dass die dynamische Entwicklung der Energiewende sowie das weiterhin erhöhte Zinsniveau erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und damit auch auf die künftigen Unternehmensergebnisse haben.
Dabei spielen die erneuerbaren Energien im Erzeugungsmix der Stadtwerke eine zunehmend wichtige Rolle. „Daher investieren wir vermehrt in Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Bei den Photovoltaikanlagen erfolgt dies insbesondere über Pacht- und Mieterstrommodelle. Die Investitionen in die Windkraft erfolgen im Wesentlichen über Beteiligungsgesellschaften. Aktuell wird auch an der Entwicklung von Windkraftanlagen in der Region gearbeitet. Zudem planen wir, mit der Energiedrehscheibe Nord die Energiewende, die Energiesicherheit und den Klimaschutz in der Region voranzubringen“, so die Stadtwerke.
Die Stadtwerke Sindelfingen haben in den letzten Jahren den Photovoltaikausbau vorangetrieben und planen weitere Projekte. In Zusammenarbeit mit den Wohnstätten Sindelfingen, der Stadt Sindelfingen und dem Katholischen Verwaltungszentrum Böblingen wurden im Berichtsjahr mehrere neue Anlagen installiert und in Betrieb genommen – beispielsweise auf den Dächern des Floschenstadions, der Kita Allmendäcker und der Sportwelt des VfL Sindelfingen. Auch das Katholische Verwaltungszentrum Böblingen zeigte sich offen gegenüber Photovoltaikprojekten und stellte kirchliche Liegenschaften für entsprechende Vorhaben bereit.
Die Vergärungsanlage in Leonberg ist seit Anfang 2025 im Probebetrieb und produziert das erste Rohbiogas. Die Stadtwerke haben die über 3,3 Kilometer lange Leitungsverbindung zwischen Leonberg und der Dachsklinge in Sindelfingen hergestellt. Dazu wurden über 275 Gasrohre mit einem Rohrdurchmesser von 200 Millimetern sowie Kondensatabscheider unterirdisch verlegt. Parallel dazu haben die Stadtwerke Strom- und Steuerkabel sowie Glasfaser mitverlegt. Die Vorreinigungsanlage zur Trocknung und Entschwefelung des Rohbiogases ist funktionsbereit. Ab August 2025 begannen die Arbeiten zur Errichtung der Biogasaufbereitungsanlage auf der Dachsklinge. Je nach Biogaseinspeiseanlage soll Biomethan bis Ende 2025 oder spätestens im ersten Quartal 2026 in das Erdgasnetz eingeleitet werden.
Für den Bau von Windkraftanlagen stehen die Stadtwerke Sindelfingen im Austausch mit dem Landkreis sowie der Stadtverwaltung. Im Juni 2025 gab es den ersten Genehmigungsantrag für Windenergieanlagen im Landkreis. Dieser Antrag betrifft den Bau von fünf Windkraftanlagen im Grenzbereich von Sindelfingen und Magstadt, westlich der Autobahnraststätte Sindelfinger Wald. Mit dem Windpark „Sindelfinger Wald“ kann der Strombedarf von etwa 17.500 Haushalten gedeckt werden.
Die Stadt Sindelfingen hat sich den ambitionierten Zielen der Landesregierung zur Klimaneutralität bis 2040 verpflichtet und diese in ihrem Kommunalen Wärmeplan verankert. Zusätzlich sollen gemäß dem Wärmeplanungsgesetz des Bundes fossile Energieträger bei der Fernwärmeerzeugung durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Um dies zu erreichen, haben die Stadtwerke im Jahr 2024 mit der Erstellung eines Transformationsplans für die Netze Innenstadt und Flugfeld begonnen. Die Fertigstellung erfolgt im Jahr 2025. Netze in Maichingen, Darmsheim und Holzgerlingen werden im Anschluss folgen. An der „Energiedrehscheibe Nord“ haben Baumaßnahmen bereits begonnen. Damit die ökologisch erzeugte Wärme dann auch in Maichingen genutzt werden kann, ist bis zum Jahr 2027 die Anbindung des Netzes Maichingen an das Netz Innenstadt geplant. Auch hier wurden im Jahr 2024 mit den ersten Baumaßnahmen begonnen.
Durch den Ausbau des Glasfasernetzes in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom haben rund 24.000 Haushalte die Chance auf Gigabit-Anschlüsse. Das langfristige Ziel der Kooperation besteht darin, spätestens bis zum Jahr 2031 über 200 Kilometer Glasfasertrasse zu verlegen und einen flächendeckenden Glasfaserausbau in Sindelfingen umzusetzen. Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in Maichingen und Darmsheim ist abgeschlossen. Seit Projektbeginn im Jahr 2023 wurden 30 Kilometer Glasfaser-Längstrasse verlegt und knapp 2.000 Hausanschlüsse neu geschaffen. Im September 2025 starteten die Stadtwerke den Glasfaserausbau im Gebiet „Floschen“ in Sindelfingen. Insgesamt 1.200 Gebäude mit rund 2.800 Wohneinheiten werden dort bis August 2026 an das moderne Glasfasernetz angeschlossen.




