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Hockey - 2. Regionalliga: SV Böblingen - Mannheimer HC II 4:2 / 2. Tore machen den Unterschied

Mit Zittern und Bangen zum Klassenerhalt

Viele Zuschauer waren nach Spielschluss genauso reif für die Dusche wie die Spieler selbst. Vorangegangen war ein Zittern und Bangen, das keinen kaltgelassen hatte. Am Ende bedeutete der 4:2-Erfolg über den Mannheimer HC II den Klassenerhalt.
13.7.19 Böblingen SVB Präsident Jochen Reisch gratuliert Kapitän zum Klassenerhalt (in der Mitte steht Hockes Abteilungsleiter Stefan Lampert)

13.7.19 Böblingen SVB Präsident Jochen Reisch gratuliert Kapitän zum Klassenerhalt (in der Mitte steht Hockes Abteilungsleiter Stefan Lampert)

Klassenerhalt oder Abstieg? Zwischen diesen Polen wanderten die Gedanken hin und her. Auch der eigene 4:2-Sieg über den Mannheimer HC II brachte noch keine richtige Entspannung. Erst als nach quälenden Minuten des Wartens dann endlich die Nachricht vom „passenden“ Resultat des Parallelspiels in Nürnberg in Böblingen angekommen war, stand fest, dass die SVB-Mannschaft auch in der kommenden Feldhockeysaison der 2. Regionalliga Süd angehören wird. Letztlich hing alles an der Winzigkeit von zwei Toren.

Der Start in dieses letzte Saisonspiel war fast zu gut, um wahr zu sein. Schon nach acht Spielminuten führte Böblingen gegen Mannheim mit 2:0. Kapitän Christopher Groß hatte gleich die ersten beiden Strafecken der SVB unhaltbar verwandelt, beim 1:0 (2.) flach links und beim 2:0 (8.) halbhoch rechts. Die MHC-Bundesligareserve, die fast ausschließlich mit Nachwuchsspielern angetreten war und auf gestandene Routiniers wie Olympiasieger Niklas Meinert verzichtete, bekam anfangs wenig auf die Reihe und wirkte durch den schnellen Rückstand verunsichert. Doch die SVB konnte daraus keinen Vorteil ziehen. Nachdem der Anfangselan verpufft war, taten sich die Platzherren schwer, weiter Chancen herauszuarbeiten. Josef Richarz und Keanu Ciafardini hatten Pech im Abschluss. Und plötzlich fehlte auch die Präzision bei den Strafecken. Die Versuche Nummer drei und vier gingen ins Leere. Dann war Halbzeit.

Kalte Dusche nach der Pause

Was Böblingen in der ersten Hälfte gelang, glückte den Gästen in Durchgang zwei: In kürzester Zeit gelangen zwei Strafeckentore. Mannheim hatte sich erstmals im Spiel richtig nach vorne getraut und erzwang innerhalb von vier Minuten zwei Strafecken. In beiden Fällen bezwang MHC-Jugendnationalspieler Joel Gruber den SVB-Torwart Bastian Groß mit präzisen Schlenzbällen – 2:2 (41.), der Böblinger Vorsprung war dahin. Mit dem Spielstand hatten sich auch die Gewichte auf dem Platz verändert. Die jungen Mannheimer kamen jetzt immer besser zur Geltung, entschieden die wichtigen Zweikämpfe für sich und stürzten die SVB mehr und mehr in Verzweiflung. Trainerroutinier Detlef Wönig, der den familiär verhinderten SVB-Trainer Philip Richter als Coach vertrat, nahm eine Auszeit, um die Böblinger Mannschaft wieder zur Besinnung zu rufen. Es fruchtete. Man verzichtete in der Folge auf komplizierten Spielaufbau und gewagte Sololäufe. Die zurückgewonnene Ordnung bescherte den Hausherren bald wieder eine Überlegenheit. Nach 50 Minuten holte Christopher Groß mit seinem dritten Eckentor die Führung wieder zurück. Mannheim war allerdings nicht bereit, irgendwas herzuschenken und brachte die SVB-Fans in der Schlussviertelstunde noch ein, zwei Mal zur Schnappatmung, als das 3:3 in der Luft lag. Das Spiel war erst gewonnen, als drei Minuten vor Ende Lukas Benz nach energischer Vorarbeit von David Scheufele den Ball zum 4:2 in den Mannheimer Kasten ablenkte. Mit Schlusspfiff hielt sich der Jubel im SVB-Lager erst einmal in Grenzen. Denn noch wusste keiner, was der Erfolg wirklich wert war. Böblingen hatte zwar vorgelegt, doch man wäre trotzdem abgestiegen, wenn der punktgleich ins letzte Saisonspiel gegangene Nürnberger HTC II sein Heimspiel gegen den Tabellenletzten Rosenheim mit sechs oder mehr Toren Vorsprung gewonnen hätten. Dann endlich wurde das Resultat aus Franken bekannt: Nürnberg hatte nur 6:2 gewonnen. „Glückwunsch zum Klassenerhalt“, war SVB-Präsident Jochen Reisch einer der ersten Gratulanten. „So spannend hätte es nicht sein müssen“, sah Reisch “zwischendurch Mehltau im Böblinger Spiel“. Ein Gefühl, das auch die Akteure teilten. „Wir hätten es heute einfacher haben können“, verstand der dreifache Torschütze Christopher Groß nicht, warum man nicht schon in der ersten Halbzeit für klare Verhältnisse gesorgt habe. „Es ist zum Glück noch mal gutgegangen“, sagte Detlef Wönig und meinte damit nicht nur dieses Spiel, sondern die gesamte Saison. „Schön, dass wir den Klassenerhalt vor heimischem Publikum klarmachen konnten und wir nicht ein zweites Mal die Leidtragenden waren“, erinnerte SVB-Abteilungsleiter Stefan Lampert an die Hallensaison 2017/18, als die Böblinger Männer im Abstiegskrimi des Schlussspieltages wegen zwei fehlenden Toren in die Oberliga zurückgeschickt wurden.

SV Böblingen: B.Groß, C.Groß, Schamal, Schulz, Tubbesing, Ciafardini, Müller, L. Panagis, Scheufele, Kranz, Meyer, Schlichtig, Richarz, Maack, Benz, M.Haller