

Kreis Calw/Kreis Böblingen. Die Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Renningen ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut gemeinte Umweltpolitik aus dem Ruder laufen kann – mit Folgen, die zunehmend schwer vermittelbar sind.
Das Projekt hat sich zeitlich sehr in die Länge gezogen. Eine wesentliche Ursache waren die Konflikte mit dem Artenschutz: 2016 wurde Klage gegen die Planfeststellungsbeschlüsse eingereicht. Erst, als diese ab 2019 mit einer Einigung zwischen Zweckverband und NABU ausgeräumt waren, konnten die Planungen weitergehen und die Bauarbeiten - zum Beispiel am Neubautunnel Ostelsheim ab 2020 - starten. Die detaillierte Planung der Fledermaustrennwand, auf die man sich 2019 einigte, nahm von 2020 bis 2023 in Anspruch; das anschließende Planfeststellungsverfahren dauerte dann von 2024 bis August 2025.
Auch die Ausnahmegenehmigung der EU für die Arbeiten im Reservoir der Steinkrebse beim Sanierungsabschnitt „im Hau“ hat lange gedauert - hier wartete man auf den Planfeststellungsbeschluss von 2016 bis 2025.
207 Millionen Euro soll das Projekt mittlerweile kosten. Ursprünglich waren es einmal 49 Millionen. Allein rund 80 Millionen Euro entfallen auf Artenschutzmaßnahmen – überwiegend für Fledermäuse. Das ist keine Randnotiz mehr, das ist ein zentrales Kostenproblem. Wenn fast 40 Prozent der Gesamtausgaben nicht für Schienen, Züge oder Infrastruktur, sondern für Gutachten, Ersatzquartiere, Fledermaustürme und eine Tunnel-in-Tunnel-Konstruktion ausgegeben werden, dann stellt sich eine unbequeme Frage: Ist hier das Maß verloren gegangen?


