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Glosse

Von Geistern, Angsthasen und dem Cannstatter Wasen

Heute ist ein wichtiger Tag im Kalender. Zumindest für Geisterjäger, Hasen und Menschen, die schon vormittags der Meinung sind, eine Maß Bier sei ein völlig normales Frühstücksgetränk.
Fahrgeschäfte und Feststimmung locken auf den Cannstatter Wasen.

Fahrgeschäfte und Feststimmung locken auf den Cannstatter Wasen.

Bild: SMG/Thomas Niedermüller

In Amerika ist nämlich Tag der Geisterjagd. Warum eigentlich nur dort? Gibt es bei uns keine Geister? Was ist mit dem Schlossgespenst, dem Poltergeist im Altbau und jenem geheimnisvollen Wesen, das nachts einzelne Socken aus der Waschmaschine verschwinden lässt? Offenbar gelten deutsche Geister als ausreichend reguliert und benötigen keine eigene Jagdsaison. Die Amerikaner jedenfalls gehen morgen auf Geisterjagd. Vermutlich mit Taschenlampe, Kamera und jener beneidenswerten Zuversicht, mit der man dort grundsätzlich Dingen begegnet, die wissenschaftlich nicht nachweisbar sind.

Wer sich vor solchen Erscheinungen fürchtet, hat morgen allerdings ebenfalls seinen großen Auftritt. Denn gleichzeitig ist Internationaler Tag des Hasen. Nicht des Kaninchens. Des Hasen. Das ist wichtig. Kaninchen wohnen gesellig in Höhlen, Hasen liegen allein in Mulden herum und hoffen, dass niemand vorbeikommt. Damit sind sie uns Menschen ähnlicher, als uns lieb sein kann. Mit Hasen kennen wir uns ohnehin aus. Besonders mit der menschlichen Unterart: dem Angsthasen. Der jagt keine Geister. Und wenn irgendwo etwas raschelt, läuft er. 

Morgen könnte die Antwort lauten: Richtung Stuttgart. Dort hat der Cannstatter Wasen begonnen. Und plötzlich fügen sich die drei Feiertage zu einem großen Ganzen. Auch auf dem Wasen begegnet man Erscheinungen, die man sich am nächsten Morgen nicht mehr erklären kann. Menschen verschwinden in Festzelten und tauchen Stunden später in verändertem Zustand wieder auf. Manche sehen doppelt, andere hören Stimmen. Geister gibt es dort ebenfalls reichlich. Allerdings meist in flüssiger Form und zu Preisen, bei denen man ebenfalls kurz an Übernatürliches glaubt. Und die Angsthasen? Die stehen vor dem Fahrgeschäft. „Da geh i net nei.“ Fünf Minuten später sitzen sie drin, weil irgendjemand gesagt hat: „Stell di net so an.“

fenja.fecht@szbz.de