

Holzgerlingen. An der Straße von Holzgerlingen in Richtung Mauren liegt ein Ort, an dem ein Stück Freibadgeschichte bis heute sichtbar geblieben ist. Das Ludlenbad, heute kein offizieller Badeort mehr, war einst das erste Freibad im Kreis Böblingen – und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
Eröffnet wurde das Bad am 18. Juli 1926. Damals zählte Holzgerlingen rund 2200 Einwohner. Zur Einweihung zog ein Festzug durch den Ort hinaus in Richtung Mauren. Hinter den Beteiligten lagen drei Jahre Arbeit. Innerhab von drei Jahren bauten die Naturfreunde Holzgerlingen das Ludlenbad. Bild: Naturfreunde Holzgerlingen
Gebaut wurde das Ludlenbad von den Naturfreunden Holzgerlingen. Die Gemeinde stellte dem Verein das Gelände für 30 Jahre kostenlos zur Verfügung. Unter dem damaligen Vorsitzenden Christian Dieterle entstand das Bad zwischen 1923 und 1926 weitgehend in Eigenleistung. Viel los: Ganz offensichtlich wurde die Eröffnung des Bads 1926 von vielen Bürgern herbeigesehnt. Bild: Naturfreunde Holzgerlingen
Auch die Finanzierung stemmte der Verein selbst. Geld kam unter anderem über Anteilscheine im Wert von zehn Mark sowie über den Erlös eines Vereinsfestes zusammen, wie der städtische Pressesprecher Dirk Hamann erklärt. Gearbeitet wurde vor allem an freien Abenden und Wochenenden.
Die Entstehung des Ludlenbads fiel in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation. Zugleich gewannen Bewegungen an Bedeutung, die Natur, Erholung und gemeinschaftliche Freizeit stärker in den Mittelpunkt rückten. Die Naturfreunde verstanden sich damals als Bewegung von Arbeitern und Menschen mit geringeren Einkommen, die Erholung in der Natur für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich machen wollte.
„Kein Schloss, kein herrschaftliches Seebad – sondern ein Bad, das dem Volk gehören sollte“, beschreibt Dirk Hamann den damaligen Gedanken hinter dem Projekt. Das Ludlenbad entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem beliebten Badeort auf der Schönbuchlichtung. Das Becken wurde mit Quellwasser gespeist und war nicht beheizt. Entsprechend kalt konnte das Wasser sein.
Trotzdem kamen im Sommer zahlreiche Besucher. Kinder machten sich nach der Schule auf den Weg, Familien brachten Vesper mit, Jugendliche trafen sich am Wochenende. Auch Gäste aus den Nachbarstädten Böblingen und Sindelfingen nutzten das Bad. Dort gab es zu dieser Zeit keine eigenen Freibäder, sondern Seen.
In alten Berichten ist von den „Wasserratten aus Holzgerlingen und Umgebung“ die Rede, die ins Maurener Tal kamen. Das Ludlenbad war damit weit mehr als eine reine Bademöglichkeit. „Das Ludlenbad war zwar kein Ort des großen Glamours. Aber es war ein beliebter Treffpunkt“, sagt Hamann. Entscheidend seien Wasser, Sonne und Gemeinschaft gewesen.
Seine zentrale Rolle als Badeort verlor das Ludlenbad Mitte der 1960er Jahre. 1964 begannen die Bauarbeiten für das neue Waldfreibad in Holzgerlingen. Am 4. Juli 1965 wurde es eröffnet. Gemeinderat Fritz Sautter sprang zur Eröffnung von der Fünf-Meter-Plattform ins Wasser. Damit begann für das Ludlenbad ein neues Kapitel. Das Becken blieb erhalten, ebenso der Name des Ortes.
Ab 1994 entstand auf dem Gelände das „Bädle“, das Restaurant am Ludlenbad. Mitglieder des KFV Kalteneck Holzgerlingen bauten es in Eigenleistung, 1998 wurde Richtfest gefeiert. Heute dient das Gebäude dem Verein mit seinen rund 400 Mitgliedern als Vereinsheim. Bewirtet wird das Restaurant seit einigen Jahren von Konstantinos „Kosta“ Kalpaklis. Er kümmert sich zugleich um das alte Becken, reinigt und pflegt es und hält es in Schuss. Als offizieller Badeort darf das Ludlenbad jedoch nicht mehr genutzt werden.
Der Ort hat sich damit gewandelt, seine Funktion als Treffpunkt aber nicht vollständig verloren. Auch heute kommen dort Menschen zusammen, verbringen ihre Freizeit oder feiern. Die Naturfreunde, die das Bad vor einem Jahrhundert aufgebaut haben, bestehen ebenfalls bis heute. Die Naturfreunde Holzgerlingen/Altdorf zählen mehr als 200 Mitglieder.
Der Name Ludlenbad ist deutlich älter als das Freibad von 1926. Eine historische Beschreibung des Oberamts Böblingen erwähnt am Schützenbühl auf Holzgerlinger Markung bereits eine Quelle mit diesem Namen. In der späteren Ortsbeschreibung Holzgerlingens heißt es zudem, dort habe früher ein Bad gestanden, das Ludlenbad genannt worden sei. Noch Jahre später seien Grundreste davon entdeckt worden. Die Naturfreunde gaben ihrem neuen Freibad 1926 also keinen neuen Namen, sondern griffen eine bereits lange überlieferte Bezeichnung des Ortes auf. Woher das Wort „Ludlen“ ursprünglich stammt, geht aus den historischen Quellen nicht eindeutig hervor.




