Menü
Geschichte Schicht für Schicht

Was der Boden über Holzgerlingen erzählt

Die archäologische Abteilung im Heimatmuseum zeigt, wie Fundstücke und Erdschichten zusammenhängen.
Von Annette Nüßle
Christoph Lehnert (links) und Heinz Lüdemann vor der stratigraphischen Säule: Diese veranschaulicht die verschiedenen Bodenschichten, die sich im Lauf der Zeit übereinander abgelagert haben.

Christoph Lehnert (links) und Heinz Lüdemann vor der stratigraphischen Säule: Diese veranschaulicht die verschiedenen Bodenschichten, die sich im Lauf der Zeit übereinander abgelagert haben.

Bild: Nüßle

Holzgerlingen. Wie gehen Archäologen bei einer Grabung vor? Wie erkennt man, wann etwas in den Boden gelangt ist, und was erzählen die Hinterlassenschaften aus vielen Jahrhunderten den Museumsbesuchern heute? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich das Heimatmuseum Holzgerlingen unter anderem in seiner archäologischen Abteilung.

Während Besucherinnen und Besucher meist nur die Ergebnisse einer Grabung sehen – also die Fundstücke –, interessiert Archäologen vor allem auch, wo genau ein Objekt gefunden wurde und wie die geologischen Schichten an der Grabungsstelle aufgebaut sind. Diese Zusammenhänge werden in sogenannten Schnittbildern als Zeichnung oder Foto oder in Form einer stratigraphischen Säule dargestellt.

Von der Steinzeit bis zur Moderne

Eine solche Säule haben Ehrenamtliche des Heimatvereins gemeinsam mit dem Archäologen Christoph Lehnert, Heinz Lüdemann und weiteren Helfern erarbeitet. Sie zeigt beispielhaft die unterschiedlichen Bodenschichten und macht sichtbar, in welcher Tiefe etwa Tonscherben zu finden sind oder wo eine auffällig rote Erdschicht auf einen ehemaligen Brennofen hinweist.

Ganz oben auf der Säule befindet sich das, was Menschen heute wegwerfen – möglicherweise Fundstücke für Archäologen in einem Jahrhundert oder mehr. Alle historischen Funde, die in der Darstellung verwendet werden, stammen aus Grabungen in Holzgerlingen und belegen unter anderem die Bedeutung des Ortes als früheres Töpferdorf.

„Die geologischen Schichten in Holzgerlingen zeigen eine bemerkenswerte Siedlungskontinuität von der Steinzeit bis zur Moderne“, erklärt der Archäologe bei der Vorstellung der Säule. Lehnert ist ehrenamtlicher Beauftragter für archäologische Denkmalpflege im Gebiet von Altdorf bis Waldenbuch und engagiert sich seit vielen Jahren im Heimatmuseum. Auch an der Neukonzeption der Ausstellung im Jahr 2022 war er beteiligt.

Um die Schichten in einem Museum darstellen zu können, müssen sie proportional zueinander verkleinert werden. „Die archäologischen Schichten reichen etwa 1,70 Meter in die Tiefe, darunter folgen rund sechs Meter sogenannter geologischer Schichten“, erläutert Lehnert.

Lernen und Mitmachen

Die Säule ergänzt künftig die archäologische Abteilung und bildet ein Bindeglied zwischen der Präsentation zahlreicher Fundstücke und den Mitmachstationen für Kinder. Direkt neben der Säule können junge Besucher selbst ausprobieren, wie eine Grabung abläuft, und stoßen dabei auf unterschiedliche Objekte aus vergangenen Zeiten.

Geschichte anschaulich zu vermitteln, ist ein wichtiges Anliegen. „Sowohl während der allgemeinen Öffnungszeiten als auch bei Führungen soll das Museum für unterschiedliche Altersstufen etwas bieten“, sagt der Vorsitzende des Heimatverein Holzgerlingen, Wilfried Dölker. Er verwies zudem auf spezielle Führungen, bei denen Kinder die Welt der Archäologie kennenlernen können.

Öffnungszeiten & mehr

Das Heimatmuseum Holzgerlingen hat jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet. Der nächste Termin ist der 1. Februar von 14 bis 17 Uhr. Nach Voranmeldung sind Führungen für unterschiedliche Altersgruppen und auch Kindergeburtstage möglich. Weitere Informationen unter www.heimatmuseum-holzgerlingen.de

Das Heimatmuseum

Das Heimatmuseum vermittelt Geschichte aus unterschiedlichen Epochen, neben der Darstellung von verschiedenen Handwerksberufen, der Lebensweise und den wechselnden Sonderausstellungen legen die Macher des Museums großen Wert auf ihre archäologische Abteilung. Sie gibt einen Überblick über die Besiedlung der Region von der Vor- und Frühgeschichte bis ins frühe Mittelalter. Grundlage der Ausstellung sind Funde aus dem Stadtgebiet und der näheren Umgebung, die bei Ausgrabungen, Baumaßnahmen und Feldbegehungen zutage kamen. Sie zeigen, dass das Gebiet um Holzgerlingen schon seit mehreren Jahrtausenden genutzt und bewohnt wurde.

Zu sehen sind unter anderem Steinwerkzeuge aus der Jungsteinzeit, Keramikgefäße verschiedener Epochen sowie Metallfunde aus der römischen und alamannischen Zeit. Anhand dieser Objekte wird nachvollziehbar, wie sich Lebensweise, Handwerk und Siedlungsstrukturen im Lauf der Zeit veränderten. Ergänzt werden die Originalfunde durch erklärende Texte, Karten und Rekonstruktionszeichnungen, die den historischen Zusammenhang verdeutlichen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der lokalen Forschungsgeschichte. Die Ausstellung dokumentiert, wie archäologische Erkenntnisse gewonnen werden und welche Rolle ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dabei gespielt haben. Damit versteht sich die archäologische Abteilung nicht nur als Präsentation von Fundstücken, sondern auch als Informationsangebot zur regionalen Geschichte und zur Arbeit der Archäologie vor Ort.