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Vandalismus als Ausgangspunkt

Sindelfingen: Graffiti-Projekt in der Marktplatz-Tiefgarage

Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren toben sich in der Sindelfinger Marktplatz-Tiefgarage kreativ zum Thema „Mobilität“ aus.
Von Konrad Schneider

Sindelfingen. Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren hatten die Möglichkeit, sich an der Street-Art-Kunst auszuprobieren. Unter der Leitung von Maximilian Frank und Sergio Accardi konnten sie sich im 1. und 2. UG der Sindelfinger Tiefgarage kreativ austoben. Dabei drehte sich alles um das Thema „Mobilität“, was sich auch in den Motiven der Graffitis widerspiegelt. Um die Bereitstellung des Materials kümmerten sich die Stadtwerke Sindelfingen, die restlichen Kosten übernahm das City Marketing.

Workshop statt Anzeige

Die Vorstellung, ein solches Projekt ins Leben zu rufen, entstand in Zusammenarbeit des City Marketings und den Stadtwerken Sindelfingen. Ausgangspunkt dieser Überlegung war der Vandalismus in der Tiefgarage Anfang des Jahres. Gleich zweimal wurden die Stadtwerke von Schmierereien und Verwüstungen überrascht.

Anstatt die Vandalen anzuzeigen, verständigten sich die Stadtwerke darauf, einen verpflichtenden Graffiti-Workshop mit Maximilian Frank für die Jugendlichen zu organisieren. Aufgrund der positiven Reaktionen seitens der Jugendlichen kam die Idee auf, solch einen Workshop auch für andere interessierte Jugendliche anzubieten. Nun ist es schon der zweite Workshop, den die Stadtwerke gemeinsam mit der Stadt Sindelfingen an der Seite von Graffiti-Künstler Maximilian Frank auf die Beine stellen.

Maximilian Frank unterstützt seit einigen Jahren die Sindelfinger Stadtwerke, wenn es um das Verschönern von Schmierereien geht. Die Graffiti-Gestaltung der Gasdruckregelstation in der Rudolf-Harbig-Straße bildete 2018 den Anfang der Zusammenarbeit. Seitdem hilft Frank sowohl den Stadtwerken als auch der Stadt dabei, mit zahlreichen Projekten das Erscheinungsbild der Stadt aufzupolieren.

Maximilian Frank ist nicht nur leidenschaftlicher Graffiti-Künstler, sondern auch Sozialpädagoge. Für ihn ist dieses Projekt nicht das erste. Schon vor 15 Jahren begann der heute 37-Jährige, Graffiti-Workshops in Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen zu etablieren. Im Zuge dessen arbeitete Frank auch schon einige Mal Hand in Hand mit der Polizei, indem er den Kindern vor Augen führt, wo man sprayen darf und wo nicht. Seitdem ist er viel rumgekommen.

Mit seinen Graffitis sorgt er nicht nur in Sindelfingen für Begeisterung, auch in New York, Istanbul und Madrid kann man seine Kunstwerke bewundern. In seinen Workshops ergänzen sich Kreativität und Sozialpädagogik. Der Street-Art- Künstler spricht dabei von Erlebnispädagogik. „Wir zeichnen die Motive vor, die Jugendlichen dürfen diese dann ausfüllen. Dadurch, dass wir uns vor allem um die Feinarbeit kümmern, entsteht daraus ein professionelles Ergebnis, auf welches die Kinder dann auch stolz sein können. Das verschafft ihnen auch Respekt “, so Maximilian Frank.

Teamfähigkeit wird geschult

Einige der Teilnehmenden arbeiten auch an ihren eigenen Motiven und sind dabei größtenteils eigenständig. Der Rest darf den Profis über die Schulter schauen und unter Anleitung große Flächen besprühen. Der Sozialpädagoge illustriert den Teilnehmenden nicht nur wie das richtige Sprayen funktioniert, sondern erläutert unter anderem dabei, dass unterschiedliche Aufsätze der Sprühdosen für verschiedene Teile des Kunstwerkes nötig sind. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen Großflächen und Feinarbeit. Er erzählt den Jugendlichen auch von der Street-Art an sich.

„Auch im Hinblick auf die Teamfähigkeit hilft der Workshop den Jugendlichen“, so Frank, es sei wichtig, sich miteinzubringen aber auch zu wissen, wann man sich hinten anstellen muss. In der Schule lerne man fast ausschließlich, dass man immer seine Meinung äußern könne, doch es sei ebenso wichtig zu lernen, wann man keine Kritik ausüben sollte. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Und das nicht nur was das Aussehen der Tiefgarage betrifft. Über die fünf Tage verteilt ließen sich über 25 Kinder und Jugendliche in der Tiefgarage blicken.